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Der Jochen- Rindt- Show widme ich an dieser Stelle ein großes Kapitel. Seit den 50er Jahren gab es zwar schon bedeutende Automobilausstellungen, wie Paris oder Genf, die sich aber eher den Neuvorstellungen von Straßen- und Luxusautos sowie Spezialkarosserien der wichtigsten Herstellerfirmen verschrieben, jedoch von den Ausstellungen, die sich zu einem großen Teil mit Motorsport beschäftigten, war eigentlich nur die alljährliche Londoner Motorshow erwähnenswert. Wo denn sonst, wenn nicht im Mutterland des Motorsports?
Jochen Rindt wurde am 18. April 1965 zwar erst 23 Jahre alt, bestritt aber bereits seine fünfte Rennsaison in verschiedenen Rennklassen wie Tourenwagen, Formel Junior, Formel 2, Prototypen. Er gewann in jener Saison die 24 Stunden von Le Mans und wurde vom englischen Cooper- Formel- 1- Team als Werksfahrer für drei Jahre verpflichtet. Somit hatte er sein Ziel, Formel -1 -Pilot zu sein, innerhalb kürzester Zeit erreicht.
Woher aber nahm Jochen Rindt die Idee eine eigene Rennwagenausstellung zu veranstalten, ohne abschätzen zu können, worauf er sich da eigentlich einlässt, ohne viel Kenntnis, wie man so eine Ausstellung aufzieht und welche Risiken, auch finanzieller Natur, man dabei eingeht? Jochen, dessen Unbekümmertheit bereits legendär war und dessen Geschäftssinn schon sehr früh äußerst gut ausgeprägt war, hörte ein Mal davon, dass an einem Wochenende über 20.000 interessierte Menschen zu einer Briefmarkenausstellung pilgerten. Er rechnete hoch und fragte sich, wie viele Leute wohl zu einer Ausstellung kämen, bei der er die schnellsten Rennwagen der Welt herzeigen würde.
Ein Veranstalter in Form des Wiener Automobilsportclubs RRC 13 (Recent Racing Club) war bald gefunden, die zwar nicht unbedingt viel Erfahrung mit der Organisation von Großereignissen, dafür aber um so mehr Enthusiasmus und Herz an den Tag legten. Als Austragungsort wurde der Wiener Messepalast auserkoren, der heute Bestandteil des Wiener Museum-Quartiers ist. Die erste Jochen-Rindt-Show wurde am 18. November 1965 von keinem Geringeren als Alfred Neubauer, dem legendären Rennleiter von Mercedes, an der Seite von Jochen Rindt feierlich eröffnet.
Alfred Neubauer eröffnete die erste JRS 1965
Schon nach kürzester Zeit war die Halle im Messepalast zum Bersten voll mit Menschen, die die ausgestellten Exponate sehen wollten. Um der Menschenmassen Herr zu werden, ließ man kurzerhand nur so viele Leute beim Eingang hinein, als beim Ausgang rauskamen, was immense Geduld für tausende Wartende bedeutete, viele davon aber warfen entnervt das Handtuch und gingen wieder nach Hause. Was vor der Eröffnung niemand ahnen konnte, wurde bald klar, die Jochen-Rindt-Show schlug ein wie eine Bombe und wurde ein voller Erfolg mit großem Publikumsandrang und mächtiger Medienpräsenz von Radio und Fernsehen. Die tägliche Radiosendung “Autofahrer unterwegs” wurde von dort live übertragen und im Kino lief noch dazu die “Wochenschau” mit aktuellen Berichten von der Show. Die Jahreszeit Mitte November war hervorragend gewählt, dann, wenn die Rennsaison in Europa Pause machte und die Rennwagen für eine Ausstellung zur Verfügung standen und die Leute schon ein bisschen vorweihnachtlich eingestimmt waren, kam so eine außergewöhnliche Rennwagen-Ausstellung wie gerufen. Und für die meisten Leute war es das erste Mal, dass sie einen Rennwagen aus nächster Nähe bestaunen konnten.

Originaltext von Helmut Zwickl nach der Show 1965:

 Jochen mit J. Stewart und F. Dusika mit Juan Manuel Fangio und nochmals mit J. Stewart
Es war für viele wie eine Erlösung, endlich gab es was, worauf man sich als Freund des Automobils und des Motorsports ein ganzes Jahr lang freuen konnte, nämlich dass die Jochen-Rindt-Show endlich wieder ihre Pforten öffnete. Aber nicht nur Menschen, die sich für schnelle Autos interessierten, fanden den Weg dorthin, viele von den Besuchern wollten ganz einfach nur ihn, IHREN Jochen Rindt sehen.
Frauen, Männer, Familien, Omas und Opas mit Enkelkindern, ganze Schulklassen, sie alle kamen in Scharen. Für Kinder gab es Preisausschreiben und Malwettbewerbe und Jochen verteilte persönlich Sparbücher an SOS- Kinderdörfer. Welch unvergessliches Erlebnis muss das für die Beteiligten gewesen sein! Er war einfach immer präsent und hatte ein offenes Ohr für SEIN Publikum, und das machte wahrscheinlich einen beträchtlichen Teil des Erfolges aus, man bekam die Gelegenheit ein paar Worte mit ihm zu wechseln oder einfach nur höflich „Guten Tag!“ zu sagen. Zu Hause erzählten sie dann ganz aufgeregt, mit Herrn Rindt geplaudert zu haben.
Dass er von allen mit “Herr Rindt” angesprochen wurde, zeigte eigentlich nur den Respekt jener Leute vor dem Phänomen Rindt, der imstande war seine Welt, nämlich die für die Zuschauer unbekannte Welt der Rasanz und des Pulverdampfes, der Eleganz, des Glanzes und Glamours, vielen tausenden Menschen nahe zu bringen. Er machte sie alle glücklich damit und sie zollten ihm den gehörigen Respekt dafür. Nach Rindt wurde es eher amikal: “Heast Niki” und “Servas Gerhard”, hieß es dann
 Autogrammstunde hiess Schlange stehen .... .... danach konnte man Exponate anschauen.
 Fotos: Pete Kerr, Winkelmann Racing
 Fotos: Dewar Thomas, Winkelmann Racing
Jochen war mächtig stolz auf seine Show und er hatte auch jeden Grund dazu. Er wusste genau, wie man die Leute, und vor allem die Medien, bei Laune hielt. Die Exponate wurden von ihm vor laufenden Fernsehkameras und anwesendem Publikum präsentiert und die technischen Details der Rennwagen erklärt, täglich stellte er einen seiner Stargäste dem Publikum und der Presse vor, Autogrammstunden wurden vorbereitet und groß angekündigt und die Leute kamen in Scharen, um sich geduldig um ein Autogramm anzustellen. Rennfahrergrößen wie J.M. Fangio, Jack Brabham, Denny Hulme, Graham Hill, Joakim Bonnier und Jackie Stewart, um nur einige wenige zu nennen, waren vor Ort und standen tatsächlich den ganzen Tag zur Verfügung. Wenn man Glück hatte, konnte man sogar ein paar nette Worte mit ihnen wechseln. Heutzutage muss man jeden “Stargast” der Formel 1, wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob die Rennfahrer von heute diesen Anspruch überhaupt verdienen, für teures Geld zu 10 Minuten Autogramme schreiben “überreden”, die sich dabei mit Bodyguards zur Distanzbewahrung plus eigenem Pressesprecher und Manager umgeben, damit sie ja nix Falsches sagen oder gegen eigene (Geschäfts)-Interessen handeln können.
 Die angelieferten Exponate wurden unter Jochens Aufsicht abgeladen und zum Standort gebracht.
Die Show mutierte zum Lieblingskind aller, nicht zuletzt von Jochen selbst. Neben der Rennfahrerei wurde sie zur zweitwichtigsten Einnahmequelle für ihn und er gab sogar zu, dass er von der Show alleine leben könnte.
Schnell begriff er aber auch, was für ein potenzielles Werkzeug er da in Händen hielt, um seinen eigenen Marktwert zu steigern. Unzählige Herstellerfirmen, Tuner und Zubehörhändler bemühten sich um eine Ausstellungsfläche, die sie bereit waren, teuer zu bezahlen. Wurden die ersten Shows zunächst nur im Wiener Messepalast gezeigt, die man Jahr für Jahr weiter ausbaute und vergrößerte, wurde bald ein Wanderzirkus daraus. Zunächst ging es nach Graz, später auch nach Deutschland, wo München und Essen als Ausstellungsorte fungierten.
 Jochen legte lieber selber Hand an, da war er zu sehr Perfektionist, die Endkontrolle führte er auch selber durch ...
 .... erst dann durften seine Gäste erscheinen.
Jochens Sinn fürs Geschäft wurde auch bald überall sichtbar, z.B. indem er seine Rennwagen mit Werbeaufklebern “Treffpunkt Jochen-Rindt-Show” versah, um so bereits während der Rennsaison auf seine Ausstellung im folgenden Herbst hinzuweisen. Anbei einige Impressionen aus den Jahren 1968 bis 1970. 1970 gab es die berühmten gelben Streifenaufkleber “Treffpunkt Jochen Rindt Show”, die er ab der Saisonmitte 1970 auch auf seine beiden Helme, den grünen offenen und den weißen Vollvisier –Helm, klebte.
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 Fotos: Mayrhofer, Salzburg

Nach dem Tod von Jochen Rindt im September 1970 waren zunächst alle Beteiligten geschockt und man wusste nicht recht, wie es mit der Show im November weitergehen würde. Die Verträge mit den Firmen, Zulieferern und Rennstallbesitzern waren ja bereits unterzeichnet. Nina Rindt, und gerade sie, wollte die Show auf keinen Fall ausfallen lassen und sie erschien tapfer zur Eröffnung. Ihr zur Seite stand Filmstar Steve McQueen, dessen neuer Rennfahrerfilm “Le Mans” präsentiert wurde, der ja schnell zum Kultfilm wurde. Sie meinte, dass sie die Show auch in den kommenden Jahren in Jochens Sinne weiterführen werde, außer ihren persönlichen Erinnerungen an ihn war das das einzige Vermächtnis, das ihr von ihm blieb und wofür es wert war, weiter zu arbeiten, nicht zuletzt der vielen tausenden Jochen- Rindt- Fans wegen. In kürzester Zeit wurde sie zu einer äußerst kompetenten und erfolgreichen Organisatorin ihrer Jochen-Rindt-Shows und sie legte ganz besonderen Wert darauf sie auf höchstem Niveau weiter zu führen, weniger hätte ihren eigenen Ansprüchen nicht genügt.
In Österreich gab es die letzte Jochen-Rindt-Show 1975 zu sehen. Ein neuer österreichischer Formel- 1 -Weltmeister betrat die Bühne, sein Name: Niki Lauda. Typisch für Herrn Lauda und sein Denken - ICH! bin jetzt da. Aus, Punkt, Pause. Er, Lauda, und die bis dahin Nina zur Seite gestandenen Organisatoren fackelten nicht lange und stellten sie vor die bereits vollendete Tatsache, dass 1975 die letzte Jochen-Rindt-Show mit ihr über die Bühne ging und dass sie ab 1976 Niki- Lauda-Show heißen würde. Ein nicht wirklich netter Schachzug von Lauda & Co., deren Shows bei weitem nicht jene Popularität genossen, wie die Jochen-Rindt-Show es tat, sie traf einfach nicht das “Herz” jener Leute, die die Rindt-Shows liebten, das Publikum wechselte und auch das allgemeine Niveau der Lauda-Shows hatte bald Bierzelt- statt Festzeltcharakter. Ein Faktum war auch, dass es keinen Lauda zum “Anfassen” gab, denn das hasste er schon immer, wenn ihm die Leute auf den Pelz rückten.
Nina organisierte aber weiterhin ihre Jochen-Rindt-Shows in Essen, die erst Mitte der achtziger Jahre in „Essen-Motor-Show“ umbenannt wurde, und heute noch unter ihrer geschätzten Patronanz steht.
   
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