In Memoriam Pete Kerr

Es fällt mir ganz besonders schwer hier über Pete Kerr einen Nachruf zu verfassen und die richtigen Worte zu finden.

Stellen Sie sich folgendes Szenario einmal vor. Sie werden von einem Freund eingeladen, ein Wochenende in seinem Haus zu verbringen. Sie gehen miteinander auf eine Motorshow, sie sind bei Freunden zum Dinner eingeladen, am Morgen Frühstücken sie gemeinsam, Abends sitzen Sie bei einem Glas Wein und reden über ihre Lieblingsthemen: Motorracing und Autos, Autos und Motorracing, haben viel Spass dabei Geschichten zu hören, lachen viel und so nebenbei spricht man auch über die Zukunft.

Pete’s Zukunft sollte so aussehen, dass er bis Ende des Jahres zurück nach Neuseeland geht, woher er ja stammt. Seine Autos in der Garage waren schon so gut wie versandbereit, nur einige Dinge waren noch im alten England zu erledigen, dann sollte es auf die Reise nahe Auckland gehen. Eines seiner letzten Worte an mich als ich am Sonntag zum Flughafen aufbrach waren seine Einladung nach Neuseeland: “You must come, we will have a nice drive with my cars there!”

Das war am letzten Wochenende im März und es sollte das letzte Mal sein, dass ich Pete lebend sah. Wir telefonierten noch einige Male miteinander, er erwähnte nur für eine Untersuchung ins Spital von Oxford gehen zu müssen, nur ein Gesundheitscheck, nichts Ernstes.

Wenige Tage nach unserem letzten Gespräch erhielt ich einen Anruf seines besten Freundes, dass Pete in ein Hospiz eingeliefert wurde und dass es ihm sehr schlecht gehen soll. Mein Versuch Pete noch ans Telefon des Willen-Hospiz zu bekommen wurde aber bereits abgelehnt. In den Morgenstunden des 1. Mai 2007 verstarb Pete an seinem Krebsleiden.
 

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Das Winkelmann Racing Team: Alan Rees, Pete Kerr, Johnny Mueller und Jochen Rindt

Pete Kerr kam 1964 von Neuseeland nach England um dort für das Winkelmann Racing Formel 2 Team als Mechaniker zu arbeiten. Jochen Rindt wurde, neben Alan Rees, für 1965 als neuer Fahrer engagiert. Neben Pete gab es noch Johnny Mueller und etwa später noch Dewar Thomas.

Es sollte die erfolgreichste Zusammenarbeit eines Formel 2 Teams überhaupt werden. Jochen Rindt konnte von 1965 bis 1969 insgesamt 25 Siege für das Winkelmann Racing Team erringen. Mindestens 5 Siege gehen auf das Konto von Alan Rees.

Hauptverantwortlich für diesen Erfolg war zweifelsfrei Pete Kerr, der über ein ungemeines Feingefühl für die Mechanik der Maschinen verfügte und im Notfall immer eine Lösung fand, damit seine Fahrer am Rennen teilnehmen konnten. Von daher stammt die treffende Bezeichnung: “Professor of mechanics”

Meine persönlichen Erinnerungen an Pete:

ich habe mitte der 90er versucht mit Pete Kontakt aufzunehmen, da er zu der Zeit noch bei Arrows beschäftigt war und auch für Bernie Ecclestone tätig war (Pete war der Mann, der die elektronische Zugangskontrolle für die Boxen und Fahrerlager mittels Plastikkarte zur Perfektion brachte, das heute noch unverändert verwendet wird), fand er jedoch keine Zeit für mich.

1998, kurz nachdem er bei Arrows in Pension ging, trafen wir zufällig in Silverstone beim Coys Festival aufeinander. Ich stellte mich vor und er erinnerte sich sofort an mich und bat mich um Entschuldigung, dass er sich bis dato noch nicht bei mir gemeldet hat. Später erfuhr ich, dass seine Frau kurz vor jenem Zusammentreffen an einer Embolie verstorben war.

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Silverstone 1998, Pete mit mir und schweizer Freunden. “It was a memorable day, Pete Kerr”

Im Sommer 2000 habe ich meinen Jochen Rindt Showroom eröffnet und Pete eingeladen nach Wien zu kommen. Leider musste er absagen, aber er schickte mir ein Paket welches einen Pokal und einige Schleifen von Siegerkränzen die Jochen Rindt gewann beinhalteten. “It is a permanent loan!”, stand da in seinem Begleitschreiben. Ein Dank ist da viel zu wenig, aber er wollte auch gar keinen Dank dafür haben, er sah sich nur als der Mechaniker und Jochen war der Star, der die Autos zum Sieg fuhr. “Wenn sie (Alan und Jochen) von der Startlinie wegfuhren und alles glatt ging, hat mich das restliche Rennen nicht mehr interessiert!”

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Wir verloren uns zwar nie aus den Augen, aber erst 2004 kam es zu einem Wiedersehen. Es galt den Lotus 49 in Watkins Glen der Öffentlichkeit zu zeigen, 35 Jahre nach Rindt’s erstem Grand Prix Sieg ebendort. Pete, Eddie Dennis und Nina Rindt waren für jenes Treffen von Johannes Willenpart, dem Eigner des Lotus 49, nach Watkins Glen eingeladen worden.

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Watkins Glen 2004: Eddie Dennis, Nina Rindt und Pete Kerr

Pete: “These were my best holidays in my whole lifetime, together with Nina and friends!”

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Da Pete’s Haus nur eine knappe Stunde von Birmingham entfernt liegt, hat er mich in den letzten Jahren, dann wenn die Motorshow von Stoneleigh stattfand, zu sich nach Hause eingeladen das Wochenende bei ihm zu verbringen. Wir fuhren zusammen auf die Shows und zu Hause zeigte er mir seine Schätze in Form von Büchern, Fotos und Dias, die er oder seine Frau bei diversen Rennen aufgenommen hatten. Ein Erlebnis der besonderen Art für mich, wie man sich nur unschwer vorstellen kann.

Nachdem mit Ende 1969 das Winkelmann Racing Team aufgelöst wurde wechselte Pete zum neu gegründeten Rennstall von March als Chefmechaniker, arbeitet dort u.a. für Ronnie Peterson, der 1971 sogar Vizeweltmeister auf March wurde, und auch für Niki Lauda, der ja bei March seine ersten Gehversuche in der F-1 startete. Nach March ging er zu Shadow aus jenem Team dann Arrows mit Jackie Oliver als Teameigner entstand. Pete blieb Arrows treu, bis der Rennstall aufgelöst wurde und ging daraufhin in die wohlverdiente Pension.


Anbei einige Impressionen seines Schaffens:

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Ein Foto auf das er ganz Stolz war, aufgenommen bei der Temporada in Argentinien 1968 mit Nina und der Freundin eines Mechanikers

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Irgendwo in einem Hotel mit Jochen

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Allen Grund zum Optimismus, Jochen wird gewinnen

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Ich sprüre keinen Bremsdruck .......

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Jochen’s Auto ist fertig, Pau 69, Sieger!

 

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Etwas bereitet ihnen Sorgen .....

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Das war sein absolutes Lieblingsfoto, Champagner schlürfend mit Jochen nach dessen Sieg in Reims

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Du kannst unbesorgt Vollgas geben, Jochen!

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Warming up and go!